Leseprobe 3

Ein heftiges Fieber packt ihn in der Nacht. Er fröstelt und schwitzt abwechslungsweise. Er weiss nicht, ob er schläft oder ohnmächtig ist. Das Gefühl für Raum und Zeit löst sich auf. Jetzt hat er nur noch eine Überlebensmöglichkeit: Er muss sich bedingungslos seinem Schicksal ergeben. Er zieht sich körperlich und seelisch auf sein Wundbett zurück und lässt der Natur ihren Lauf. Vor kurzem hat er noch um sein Leben gekämpft, jetzt muss er es loslassen, wenn er es gewinnen will. Die Weisheit liegt dazwischen.

So legt sich Karl nieder in die Hand Gottes. In ihm steigen Erinnerungen seiner Kindheit hoch. Während er seine Kinderkrankheiten austrug, hatte er Ähnliches erlebt. Oder auch, wenn er sich ungerecht behandelt fühlte, konnte er sich auf seine Insel, seinen geheimen inneren Ort zurückziehen und von diesem gütigen, göttlichen Wesen trösten und heilen lassen. Er hat es immer wieder erlebt, aber dann als Erwachsener diesen Bezug zum Ewigen in seiner Seele verloren.

So finden sich Geist und Seele und sie geben einander die Hand. Etwas kommt in Karls Wesen zusammen, was eigentlich schon immer hätte vereint sein sollen. Er fühlt sich so wunderbar ganz, vollständig und erfüllt, wie noch nie in seinem Leben. Er spürt, wie sein Geist davonfliegen möchte und wie seine Seele am Leib festhängt. Er kann beide gut verstehen und ist bei beiden bereit mitzugehen.

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